Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben

Die Vereinbarkeit von Erwerbs und Privatleben ist nicht nur eine Sache der sozialen Verantwortung der Unternehmerschaft, sondern wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Die demographische Entwicklung wird den Wettbewerb um die besten Mitarbeiter zwischen den Branchen aber auch innerhalb der Branche wesentlich verschärfen. Diesem Fakt haben hat der DEHOGA MV Rechnung getragen und im Projekt „Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben VEP“ und im Folgeprojekt „Vereinbarkeit und Fachkräftesicherung durch familienorientierte Dienstleistungen im Landkreis Rostock“ inhaltliche Arbeit geleistet.

Im Rahmen seiner rund fünfjährigen thematischen Projekttätigkeit hat sich der DEHOGA MV zusammen mit Partnern intensiv der Work-Life-Balance gewidmet. Die aus dem Pilotprojekt gewonnen Erfahrungen und erarbeiteten Hinweise für die gastgewerbliche Praxis wurden im Folgeprojekt auf den Landkreis Rostock ausgerollt. Hier wurden zudem die Dienstleistungen der Serviceagentur „Leben und Arbeit in MV“ in der Branche implementiert. Damit wird eine zeitnahe, bedarfsgerechte und individuelle Umsetzung familienorientierter Dienstleistungen gewährleistet. Branchenbetriebe mit Bedarf, nutzen bereits heute den Service dieser Agentur. Ob Wohnungssuche, Organisation von Kinderbetreuung in Randzeiten oder die Pflege von bedürftigen Familienangehörigen, viele Themen stehen hier hoch im Kurs und entlasten die Mitarbeiter.

Aufgabenstellung

Der Projektansatz leistete einen Beitrag zur Arbeitskräftesicherung in kleinen und mittleren Unternehmen des Hotel- und Gastgewerbes durch die Gewinnung von qualifiziertem und erfahrenem Fachpersonal sowie interessierten Quer- oder Wiedereinsteigern. Das in der Projektregion Usedom vorhandene Arbeitskräftepotential sollte optimal genutzt werden. Im Rahmen des Projektes wurden die Probleme vor allem von Familien mit Kindern und von Arbeitskräften, die Familienangehörige pflegen müssen, ermittelt und an einer möglichen Problemlösung gearbeitet.

In Kooperation mit Institutionen in Kommunen im Altkreis Ostvorpommern sollten regionale Strukturen verbessert und den aktuellen Erfordernissen angepasst werden. In Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen wurden spezifische Fördermöglichkeiten erschlossen. Gleichzeitig sollte eine Anpassung der betrieblichen Strukturen an die Bedürfnisse der Beschäftigten zur Vereinbarkeit von Erwerbs- & Privatleben erfolgen. Die erarbeiteten Lösungen wurden für die Unternehmen und die Mitarbeiter im Land Mecklenburg-Vorpommern nutzbar gemacht.

Überblick der Aktivitäten

Erstellen einer Potenzialanalyse ‑ Welche Partner befinden sich in der Projektregion auf der Insel Usedom sowie der Region Achterwasser (Unternehmen des Gastgewerbes, Kommunen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Arbeitsagentur, Tagesmütter/-Väter, Verkehrsbetriebe, Altenpflege und Sozialstationen)? Gleichzeitig erfolgen die Erfassung ähnlich gelagerter Projekte, die zur Lösung beitragen und eine Kooperation mit diesen Projektträgern. Alle erfassten statistischen Daten werden kartographisch dargestellt.

Befragungen und deren Auswertung ‑ Die Grundlage bildet die Erstellung von wissenschaftlich erarbeiteten Fragebögen für die Zielgruppen: Unternehmer, Mitarbeiter, Auszubildende, Erwerbslose und kommunale Leistungsträger. Die Auswertung dient der Erkennung von spezifischen Problemfeldern in der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben. Diese Analyse dient als Entscheidungsgrundlage für mögliche Lösungsansätze.

Gemeinsam mit den Beteiligten Lösungen erarbeiten und implementieren ‑ In Einzel-, Gruppen- und Expertengesprächen sowie Workshops mit ähnlich gelagerten Projektträgern erfolgt ein intensiver Erfahrungsaustausch. Außerdem werden Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen mit allen relevanten Organisationen und Institutionen abgehalten sowie thematische Informationsveranstaltungen durchgeführt.

Lösungen organisieren und Strukturen festgelegen ‑ Dazu werden regionale Netzwerke mit Unternehmen, Kommunen und Dienstleistern geschaffen. Bedarfsgerechte, maßgeschneiderte und unterstützende Infrastruktur soll auf betrieblicher bzw. überbetrieblicher Ebene bereitgestellt werden.

Überprüfung der Praxistauglichkeit ‑ Zunächst in 4 Unternehmen werden die Ergebnisse  mit allen Beteiligten ausgewertet sowie neue Erkenntnisse und Erfahrungen für die weitere Arbeit aufgenommen.

Umsetzung in die Praxis ‑ Auf der Grundlage der theoretischen und praktischen Ergebnisse und Erfahrungen der teilnehmenden Betriebe, Institutionen und Mitarbeitern, können diese Lösungsansätze auf weitere Unternehmen auf der Insel Usedom und der Region Achterwasser übertragen werden.

Angestrebte Ergebnisse

Mit den Mitarbeitern und Unternehmen innerhalb des Betriebes sollen familienfreundliche Maßnahmen sowie kooperative Arbeitszeitgestaltungen entwickelt werde. Serviceleistungen für Familien (u.a. Vermittlung externer Betreuung bei Krankheit von Kindern oder Angehörigen, bezahlbare Nutzung betriebseigener Dienstleistungen, firmeninterne Weiterbildung während der Elternzeit) sollen für Unternehmen und ihre Beschäftigten nutzbar gemacht werden. Dadurch werden zusätzliche Nutzwerte in Form von zufriedenen, motivierten und unternehmensverbundenen Mitarbeitern erzeugt. Das sichert für die Unternehmen der Region einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil.

Schaffung von anerkannten Infrastrukturen mit Kommunen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Einbindung mobiler Sozialstationen, Nutzung medizinischer Einrichtungen, Schulen, Tageseltern und Freizeiteinrichtungen.

Nutzung von Work – Life – Balance - Dienstleistungen. Das Angebot umfasst u.a. Beratung für Arbeitgeber und Mitarbeiter, Vermittlung von Möglichkeiten der Kinderbetreuung (Kindereinrichtungen, Tageseltern, Babysittern, Au Pair, Ferienbetreuung), Mobilitätsfragen, Unterstützung älterer Familienangehöriger, Haushaltshilfen, sowie die Unterstützung bei der Lösung finanzieller Betreuungsaufwendungen (Sozialamt, Deutsche Rentenversicherung, Krankenkassen, Pflegekassen, usw.)

Vorteile für das Unternehmen
  1. Das Unternehmen ist attraktiv für Mitarbeiter und kann so engagiertes und qualifiziertes Personal halten oder gewinnen.
  2. Der Personaleinsatz lässt sich effektiver und flexibler gestalten.
  3. Arbeitsplatzzufriedenheit und Produktivität werden erhöht, gleichzeitig sinken Fluktuations- und Krankheitsquoten.
  4. Qualifizierte und bereits eingearbeitete Mitarbeiter können frühzeitig aus dem Erziehungsurlaub zurückkehren. Dadurch können hohe Kosten für Personalneueinstellung vermieden werden.
  5. Investitionskosten in Aus-,Fort- und Weiterbildung gehen dem Unternehmen nicht verloren.
  6. Das Know-how bleibt dem Unternehmen erhalten.
  7. Unternehmen können dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenwirken.
  8. Kosten sind steuerlich absetzbar(geldwerte Vorteile) wie bspw.:
    • Kostenlose oder preiswerte Verpflegung und Bereitstellung einer Wohnung
    • Benzingutschein in Literangabe
    • Besuch von Kino-, Theater- und Sportveranstaltungen
    • erhalt einer Betriebsrente
    • preiswertes Kantinenessen
    • Nutzung betriebseigener Gebrauchsgegenstände
    • Beratung und Hilfe in allen Lebenslagen
    • Waren und Dienstleistungen, die ein Arbeitnehmer auf Grund seines Arbeitsverhältnisses preiswert oder unentgeltlich erhält.
  9. Die Sachbezüge sind steuerfrei, soweit sie aus dem Arbeitsverhältnis insgesamt 1.080,00 Euro nicht übersteigen.
Unsere Projektpartner
  • Ministerium für Soziales und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern
  • Parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung Mecklenburg-Vorpommern
  • Kompetenzzentrum Vereinbarkeit Leben in Mecklenburg-Vorpommern
  • Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
  • Industrie- und Handelskammer zu Neubrandenburg
  • Agentur für Arbeit Neubrandenburg
  • Agentur mv4you
  • Bildungswerk der Wirtschaft
  • Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern
  • Flex4Work (http://www.flex4work.de/)

Familienfreundliche Unternehmen

"Leuchttürme" im Gastgewerbe Mecklenburg-Vorpommern

"Das Gastgewerbe ist keine leichte Branche" - das Bewerberpotential nimmt stetig ab. Was tun damit die Mitarbeiter bleiben? Genauer gesagt: "Sie sollen bleiben, weil es ihnen und der Familie gefällt". Das haben schon viele Unternehmen erkannt um der Fluktuation vorzubeugen.